1. Für Strassen, die allen gehören.
Die Strasse ist mehr als Asphalt für Autos. Sie ist Lebensraum, Treffpunkt, Spielraum, Markt und Ort des Austauschs. Öffentlicher Raum muss Zugehörigkeit, Gleichberechtigung und Begegnung ermöglichen, nicht Angst, Verdrängung und Gefahr. Dies erfordert eine bewusste Neuverteilung des Strassenraums zu Gunsten von Fuss- und Veloverkehr.
2. Für Sicherheit, die nicht verhandelbar ist.
Verantwortung für Sicherheit darf nicht auf die Schutzlosen abgewälzt werden. Fussgängerinnen, Fussgänger und Velofahrerinnen und Velofahrer brauchen physischen und gesetzlichen Schutz vor schnellem und schwerem motorisiertem Verkehr. Vision Zero muss endlich konsequent umgesetzt werden.
3. Für eine Infrastruktur, die Velofahren für alle ermöglicht.
Viele Frauen fahren nicht Velo, weil sie sich im Strassenraum nicht sicher fühlen. Darum braucht es durchgängige, geschützte, gut beleuchtete und intuitiv nutzbare Veloinfrastrukturen. Wer für Frauen plant, plant sicherer und besser für alle. Dafür müssen Veloinfrastrukturen konsequent priorisiert und ausreichend finanziert werden. Dazu gehören auch nutzerfreundliche Veloparkierungen mit Platz für Diversität wie Cargobikes, Dreiräder und Kindervelos.
4. Für Mobilität, die den Alltag abbildet.
Mobilitätspolitik orientiert sich noch immer zu oft an linearen Pendelwegen. Die Realität vieler Frauen ist komplexer: Mehrfachwege, Sorgearbeit, kurze Distanzen, Zeitdruck und das Bedürfnis nach verlässlichen, flexiblen Verbindungen prägen den Alltag. Eine gerechte Mobilität muss diese Realität anerkennen und ernst nehmen.
5. Für Zugang, Befähigung und Teilhabe.
Velomobilität muss für alle zugänglich sein. Dazu müssen physische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Barrieren abgebaut werden. Fahrkurse, Informationsangebote und gezielte Programme sind keine Nebensache, sondern Voraussetzung dafür, dass mehr Frauen und marginalisierte Gruppen Mobilität selbstbestimmt nutzen und mitgestalten können.
6. Für Sport und Freizeit als Zugang zur Velomobilität.
Sport und Freizeit sind ein zentraler Zugang zur Velomobilität und oft der Einstieg ins Velofahren. Velofahren als Freizeit- und Sportaktivität steht für Gesundheit, Erholung, Gemeinschaft und Freiheit. Frauen und FLINTA-Personen sind im Velosport weiterhin unterrepräsentiert…
7. Für vielfältige Führung und faire Arbeitsbedingungen.
Frauen und FLINTA-Personen müssen in Politik, Verwaltung, Planung, Industrie, Forschung und Interessenvertretung stärker vertreten sein. Es braucht gleiche Chancen, transparente Karrierewege und gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Vielfalt ist keine Symbolik, sondern Voraussetzung für bessere Entscheidungen, mehr Innovation und eine gerechtere Mobilitätsbranche.
8. Für gendersensible Daten und evidenzbasierte Planung.
Was nicht erhoben wird, bleibt unsichtbar. Solange geschlechtsspezifische Unterschiede in der Mobilität nicht systematisch erfasst werden, werden Ungleichheiten weiter reproduziert. Planung, Umsetzung und Evaluation sollen diese Unterschiede sichtbar machen und abbauen. Dafür braucht es verbindliche Ziele, regelmässige Evaluation und transparente Berichterstattung.
9. Für eine intersektionale Perspektive.
Mobilitätserfahrungen werden nicht nur durch Geschlecht geprägt, sondern auch durch Einkommen, Alter, Herkunft, Behinderung, Migrationserfahrung, Sprache und Sorgeverantwortung. Eine gerechte Mobilität muss diese Realitäten mitdenken und besonders jene einbeziehen, die mehrfach ausgeschlossen werden.
10. Für Sichtbarkeit, die das Velo ins Zentrum rückt.
Werbung und Kommunikation … Es braucht gezielte Kampagnen, neue Bilder und starke Geschichten, die Velomobilität als attraktiven, selbstverständlichen Teil des Alltags verankern. Das Velo muss als selbstverständliches Verkehrsmittel des Alltags sichtbar werden: vielfältig, zugänglich und passend für unterschiedliche Lebensrealitäten. Frauen und FLINTA-Personen müssen in diesem Bild sichtbar sein.
